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Sonstiges

Reduktion Parkplätze, dafür kostenlose ÖPNV-Karte

Reduzierung der kostenlosen Parkplätze bei Siemens, Stadt+Uni: Stattdessen eventuell kostenlose Jahreskarte für Öpnv

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Der Vorschlag mit der Abschaffung der ebenerdigen Parkplätze ist nicht zu Ende gedacht, stellt eine unverhältnissmäßige Radikalität dar und würde mehr schaden als nutzen.

Hier werden bei der Parkplatznutzung z.B. nur die für die Arbeitsplätze genannt, doch auch der Einzelhandel braucht nahe Stellplätze, so dass Kunden dort parken können. Und will man dann etwa auch alle Parkplätze an den Supermärkten abschaffen - inkl. der für die Behinderten? Dann freue ich mich schon drauf, wenn sich die Hausfrauen mit zwei,drei oder mehr Tüten bepackt auf den Weg zur nächsten Bushaltestellen machen müssen, dort in einen vielleicht sehr volles Bus einsteigen und ihre Tüten unterbringen muss, dann sogar noch umsteigen muss inkl. Warten und dann noch nach Hause laufen muss. Bei Einkäufen in der City ist es ähnlich.

Will man dies allen Ernstes? Will man wirklich verlangen, dass Hausfrauen und Senioren durch Zwang mit schweren Tüten bepackt in Bussen fahren sollen? Und bekanntlich wird unsere Gesellschaft immer älter, so dass viele Senioren schlichtweg ihr Auto brauchen um nahe an ein Geschäft hinzufahren, eben weil sie keine langen Strecken wie zur Bushaltestelle mehr laufen können. Denkt man hier auch an die?

Und wer baut denn bitte diese "teuren" Parkhäuser für die Autos der Angestellten? Doch wohl private Firmen und Anbieter und nicht die Stadt Erlangen. Letztere muss als da garnix bezahlen. Und von Firmen zu verlangen, dass sie für ihre Parkplätze Geld verlangen sollen oder gar selber zwangweise finanziell den ÖPNV fördern müssen, ist nicht vermittelbar, ja sogar ein radikaler Eingriff in die unternehmerische Freiheit.

Deshalb mein Rat: Schafft erstmal besseren ÖPNV mit mehr Direktverbindungen, mehr Durchmesserlinien (z.B. durch Verknüpfung der Linien 30, 201 und 209), dichteren Takten, mehr Komfort in den Bussen und günstigeren Fahrkartenangeboten, bevor man hier mit radikalem Zwang arbeiten will. Denn mit Zwang und Einschränkung überzeugt man keinen, sondern nur durch ein deutlich besseres ÖPNV-Angebot als Lockvogel sein Auto wirklich stehen zu lassen.

Man muss ja nicht gleich alle Parkplätze abschaffen und den ÖPNV ganz kostenlos machen. Aber dass große Unternehmen oder Verwaltungen Parkraum-Management betreiben ist nichts Neues und auch nichts Radikales. Und ein solches Parkraum-Management besteht gerade darin, dass bspw. eine Kostenbeteiligung der Mitarbeiter an Parkplätzen eingeführt wird oder eine gewisse Zahl an Parkplätzen aufgegeben wird und im Gegenzug dazu Zuschüsse zu ÖPNV-Tickets oder Jobtickets insgesamt finanziert werden. Das entlastet nicht nur den Stadtverkehr, sondern bringt auch Vorteile für das Unternehmen: Es müssen keine teuren Parkhäuser gebaut werden oder es werden Flächen frei, die andersweitig genutzt werden können.

Menschen durch Zwang in den ÖPNV zu drängen und von ihnen zu verlangen, dass sie ihren Lebensstil hier völlig ändern sollen, wird nicht funktionieren und würde auf größte Ablehnung stoßen.

Statt mit solchen radikalen Methoden zu arbeiten sollte man sich eher überlegen, ob man den Komfort im ÖPNV nicht mal erhöhen sollte (bequemere Sitze, mehr Platz, attraktiveres Netz, neue Verbindungen, etc.), um neue Zielgruppen anzusprechen. Denn nicht selten würden Personengruppen bei Umsetzung einer bestimmten ÖPNV-Verbesserung vielleicht zu einem guten Anteil gerne auf diesen Umsteigen. Doch wenn diese fehlen, dann funktioniert das eben nicht.

Wer heute mit dem Auto fährt, der tut das auch meist aus Komfortgründen, was man akzeptieren und sich darauf einlassen sollte anstatt zu versuchen, die Leute mit Zwang umzudrehen. Nicht jeder möchte jeden Tag in Sardinendosen-Atmosphäre, mit Umsteigen in die Arbeit und zurück fahren und dabei vielleicht noch längere Strecken bis zum Ziel laufen müssen.

Ideologien wie das Fordern einer Abschaffung aller ebenerdiger Parkplätze in der Innenstadt hat hier keinen Platz, weil es realitätsfremd ist. Und sollen dann auch alle Behinderten-Parkplätze abgeschafft werden, die dann zwangsweise mit dem ÖPNV fahren sollen? Das kann doch nicht ihr Ernst sein.

Erlangen leidet nicht nur unter dem Pendlerverkehr, der durch das große Angebot kostenloser Firmenparkplätze auch noch unterstützt wird, sondern auch unter dem immensen Parksuchverkehr: "Irgendwo werde ich in der Friedrichstraße oder den angrenzenden Seitenstraßen ja doch einen Parkplatz bekommen und wenn ich Glück habe nicht einmal Parkgebühren bezahlen." Ich denke da an das Beispiel Freiburg, die konsequent alle ebenerdigen Parkplätze abgeschafft haben und die wenigen Parkhäuser in der Innenstadt sind teuerer als der ÖPNV. Gleichzeitig läuft die Stadt-Umlandbahn quer durch die Fußgängerzone im dichten Takt.

Schon aus Gründen der Gerechtigkeit sollten die großen Arbeitgebern wie Siemens, Areva, Uni Gebühren für Stellplätze verlangen. Im Gegenzug sollte jeder Arbeitnehmer einen festen Betrag bekommen. Was er mit diesem Geld macht, bleibt ihm überlassen - er kann davon die monatliche Gebühr für einen Parkplatz bezahlen, sich ein ÖPNV Ticket kaufen oder sich als Fußgänger und Radfahrer öfter einen Cafe gönnen. Derzeit werden die Autofahrer einseitig mit einem Millionen-Betrag (Kosten der Parkhäuser, Stellflächen) subventioniert. Fußgänger gehen dagegen völlig leer aus, ÖPNV Benutzer erhalten keine oder geringe Zuschüsse zu einem Ticket.